AMT — Grundlagen, Begriffe & Schnellreferenz
Themenbereich: Methodik-Fundament — Auction Market Theory (Theorie-Layer, projektweit gültig) Methodik-Kontext: AMT + Volumen-/Marktprofil + Orderflow (Bookmap/Heatmap, Delta/CVD, DOM, Tape — kein Footprint); Bestätigungs-Layer: VWAP (Daily/Weekly/Monthly/Session), OHLC, Gamma-Level (MenthorQ — ES/NQ und 6E; FDAX nicht) Instrumente: ES, NQ, 6E, FDAX (Futures); BTC (24/7) Verwandte KB-Dateien: Methodik_AMT-als-Filter (Prozess-Hierarchie), FDAX_Open-Type-Playbook (Open-Type-Klassifikation), Sessions_London_ES-NQ-vs-FDAX (Vehikelwahl), Checkliste_FDAX-09-Open (Runtime-Ablauf) Geltung: Unterster Grundlagen-Layer. Liefert das Vokabular und die Theorie, auf der Methodik_AMT-als-Filter (Ebene 1) operiert. Education und Schnellreferenz in einem Dokument. Status: FERTIG
Kernaussage
AMT (Auction Market Theory) ist keine Indikator-Sammlung und keine Vorhersage-Maschine, sondern ein Erklärungsmodell dafür, wie ein Markt funktioniert: als kontinuierliche, zweiseitige Auktion, deren einzige Aufgabe es ist, Handel zu ermöglichen (facilitate trade). Der Preis ist dabei nur der Werbemechanismus — er bewegt sich, um Aktivität zu suchen. Wert (Value) entsteht dort, wo dieser Handel tatsächlich angenommen wird (Volumen/Zeit bauen sich auf).
Alles, was Trader an AMT-Werkzeugen benutzen — POC, Value Area, Initial Balance, Day Types, Profil-Formen, VWAP, HVN/LVN — sind abgeleitete Produkte genau dieser einen Mechanik. Der Orderflow (Bookmap, CVD, DOM, Tape) ist die Mikro-Auflösung derselben Auktion in Echtzeit: er zeigt wer gerade am Level akzeptiert oder ablehnt, bevor das Profil es ausdruckt.
Die eine Frage, die AMT immer beantwortet: Wo ist die Auktion gerade — sucht sie (Imbalance/Trend) oder hat sie gefunden (Balance/Value)? Und welche Seite hat dadurch Edge? — Genau in dieser Rolle (Filter, nicht Narrativ) wird AMT im Projekt eingesetzt (vgl. Methodik_AMT-als-Filter).
Lese-Hinweis: Teil A–B sind das Fundament (Theorie + Vokabular). Teil C–D sind die Klassifikationen (Tagestypen, Profil-Formen, Value-Relationen). Teil E–F sind die Moderne-/Marktanpassung. Teil G verlinkt in den Prozess. Die Schnellreferenz am Ende verdichtet alles auf Glossar + Heuristiken + Tabellen zum täglichen Nachschlagen.
TEIL A — Das Fundament
A1. Was AMT ist (und was sie nicht ist)
AMT ist die Theorie. Market Profile ist das Werkzeug. Diese Trennung ist die häufigste Verwechslung.
- Auction Market Theory (AMT): das konzeptionelle Modell — der Markt als Auktion, Preis vs. Wert, Initiative vs. Responsive, Balance vs. Imbalance. Gilt instrumentübergreifend und chartunabhängig.
- Market Profile / Volume Profile: die Visualisierungen dieser Theorie — die grafische Darstellung der Auktion über Preis (TPO-basiert bzw. Volumen-basiert). Werkzeuge, nicht Theorie.
Herkunft (für die Einordnung): AMT/Market Profile wurde von J. Peter Steidlmayer am Chicago Board of Trade (CBOT) in den späten 1970er-/1980er-Jahren entwickelt (Market Profile als Produkt ~1985). Maßgeblich ausgebaut und für diskretionäre Trader operationalisiert durch Jim Dalton (Mind Over Markets, Markets in Profile) — von ihm stammen u. a. die heute gebräuchliche Day-Type-Sprache und das Value-Area-Relationship-Denken. Wichtig: Das Modell wurde für Pit-/TPO-Märkte entworfen; die moderne Praxis hat es um Volume Profile, VWAP und Orderflow erweitert (Teil E).
Was AMT nicht ist:
- Kein Signal-Generator („kauf bei VAL”).
- Keine Vorhersage des Tagesverlaufs.
- Kein Ersatz für den Bildschirm/Orderflow — sondern dessen Kontext-Filter.
A2. Der Auktionsprozess: Der Markt will Handel ermöglichen
Der einzige strukturelle Zweck des Marktes ist Facilitation of Trade — Handel zu ermöglichen. Daraus folgt alles andere:
- Der Preis wirbt (advertises) für Gelegenheit und sucht Aktivität.
- Findet der Preis Aktivität (es wird gehandelt, Volumen baut sich auf), verweilt er → Acceptance → hier entsteht Wert.
- Findet der Preis keine Aktivität (kaum Handel), bewegt er sich weiter, um sie woanders zu suchen → Rejection / schnelle Bewegung.
Mentales Bild: Der Preis ist ein Auktionator, der ruft. Wo Bieter antworten, bleibt er stehen. Wo Stille herrscht, ruft er den nächsten Preis aus. Ein Trend ist nichts anderes als ein Auktionator, der in eine Richtung keine Antwort mehr findet und deshalb immer weiterrufen muss.
A3. Preis vs. Wert (die zentrale Unterscheidung)
| Preis (Price) | Wert (Value) | |
|---|---|---|
| Was | Aktuell beworbenes Level | Bereich, in dem Handel angenommen wird |
| Verhalten | Bewegt sich ständig, sucht | Stabil, baut sich über Zeit/Volumen auf |
| Messung | Letzter Trade | Value Area (≈70 %), POC |
| Trader-Frage | „Wo ist es?” | „Wo ist es fair?” |
Die handelbare Spannung liegt zwischen beiden: Preis weit über Wert = teuer = responsive Verkäufer erwartbar. Preis weit unter Wert = billig = responsive Käufer erwartbar. Preis im Wert = fair = Rotation. Der gesamte Edge der Mean-Reversion entsteht aus dem Abstand Preis↔Wert — und der gesamte Edge des Trendtradings daraus, dass Wert dem Preis hinterherwandert (Value-Migration, A6).
A4. Initiative vs. Responsive Activity (das Verhaltens-Herzstück)
Jede Aktivität im Markt ist entweder initiativ oder responsiv — gemessen relativ zum Wert:
| Initiative Activity | Responsive Activity | |
|---|---|---|
| Käufer | kauft über dem Wert (treibt hoch) | kauft unter dem Wert (fängt auf) |
| Verkäufer | verkauft unter dem Wert (treibt runter) | verkauft über dem Wert (faded) |
| Bedeutung | treibt, etabliert neuen Wert | verteidigt bestehenden Wert |
| Tagescharakter | Trend / Breakout / Drive | Balance / Range / Fade |
| Wer (typ.) | Other-Timeframe (A5), Überzeugung | Day-Timeframe / locals, Reaktion |
Das ist die wichtigste Unterscheidung der gesamten Theorie. Sie entscheidet, welche Seite Edge hat:
- Dominiert Initiative → mit der Bewegung gehen (join the auction), Ränder werden durchbrochen.
- Dominiert Responsive → gegen den Rand faden (Ränder werden verteidigt).
Im Projekt ist genau das die Ebene-1-Frage (welche Seite?) und im Open-Type-Playbook die Achse, an der OD/OTD/ORR (Initiative) von OA (Responsive) getrennt werden.
A5. Other-Timeframe (OTF) vs. Day-Timeframe (das Wer)
- Day-Timeframe-Teilnehmer: intraday agierend — Scalper, locals, Market-Maker, viele Algos. Stellen Liquidität, faden Extreme, erzeugen Balance. Sie sind die natürlichen Responsive-Akteure.
- Other-Timeframe-Teilnehmer (OTF): längerer Horizont — Institutionen, Swing-Kapital. Sie bewegen Wert, erzeugen Trends, sind die Initiative-Quelle. Wenn OTF eintritt, kippt ein Balance-Tag in einen Trend.
AMT ist im Kern das Aufspüren von OTF-Aktivität. Range-Extension, Drives, Value-Migration, einseitiges Delta/Liquiditäts-Pullen — all das sind Fußabdrücke des Other-Timeframe-Akteurs, der die zweiseitige Day-Timeframe-Balance verlässt. Der Orderflow ist hier das schnellste Werkzeug: wo der Day-Timeframe-Local absorbiert wird und nicht nachfüllt, ist OTF am Werk.
A6. Balance vs. Imbalance (Trend) — die zwei Regime
Der gesamte Markt ist immer in genau einem von zwei Zuständen (oder im Übergang dazwischen):
| Balance (Imbalance abwesend) | Imbalance / Trend | |
|---|---|---|
| Auktion | zweiseitig, rotierend | einseitig, gerichtet |
| Profil-Form | bell-/glockenförmig (D), breit | elongiert, dünn, vertikal |
| Dominanz | Responsive | Initiative / OTF |
| Value | stabil, überlappt Vortag | wandert (migration) |
| Handel | Ränder faden | mit dem Move gehen |
| Edge | Mean-Reversion | Momentum / Continuation |
Value-Migration ist Trend in Zeitlupe: Higher Value Tag für Tag = Aufwärtstrend; Lower Value = Abwärtstrend; überlappender/unveränderter Value = Balance (siehe Value-Relationships, D2).
Der Kipp-Punkt ist das, was du handelst. Balance→Imbalance (Breakout mit Acceptance) und Imbalance→Balance (Trend erschöpft, Value bildet sich) sind die margenstärksten Übergänge. Sie zeigen sich im Orderflow früher als im Profil (vgl. Open-Type-Übergänge).
A7. Acceptance, Rejection & Excess (wie der Markt „entscheidet”)
Drei Begriffe, die zusammengehören und die Qualität eines Levels bestimmen:
- Acceptance: Der Preis verbringt Zeit / baut Volumen in einem Bereich → er wird zu Value. Im Profil: TPOs/Volumen füllen sich auf, der Bereich verbreitert sich. Acceptance jenseits eines alten Randes = echter Break.
- Rejection: Der Preis verlässt einen Bereich schnell → kein Value, oft Umkehr. Im Profil: dünn, single prints.
- Excess: Eine scharfe Umkehr, die einen langen Tail hinterlässt (single-print-Schweif am Extrem). Excess ist das „gute Ende” einer Auktion — der Markt hat einen Preis als zu billig/zu teuer erkannt und ihn gewaltsam abgelehnt. Excess-Ränder sind verlässlich (echtes Drehlevel).
Gegenstück — Poor Structure (fehlendes Excess):
- Poor High / Poor Low: Das Profil endet flach (mehrere TPOs am Extrem, kein Tail). Die Auktion wurde nicht sauber beendet → unfinished business → wird mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut besucht. Ein Poor High über Nacht ist ein klassisches Ziel am nächsten Tag.
Orderflow-Brücke: Excess = klimaktische Aggression, die absorbiert wird + sofortiger Flush (vgl. ORR-Signatur). Acceptance = Delta/Volumen baut sich auf, Liquidität refresht beidseitig. Poor High = kein Excess-Print, kein absorbierender Flush — der Markt „läuft nur aus”. Genau hier liefert dein Tape/CVD den Tell, den das fertige Profil erst Stunden später zeigt.
TEIL B — Das Vokabular (Werkzeuge & Begriffe)
B1. Market Profile (TPO-basiert) — die Bausteine
TPO-Profile sind heute seltener das primäre Ausführungswerkzeug (Teil E), aber ihr Begriffsapparat ist die Sprache der gesamten AMT und bleibt für Day-Type-Struktur unverzichtbar.
- TPO (Time Price Opportunity): Grundbaustein. Ein Buchstabe pro Zeitbracket (klassisch 30 Min), der markiert, dass zu dieser Zeit zu diesem Preis gehandelt wurde. Die gestapelten TPOs ergeben die Verteilung.
- Profil / Verteilung: Die über die Session entstehende (oft glockenförmige) Häufigkeitsverteilung der Preise.
- POC (Point of Control): Preislevel mit den meisten TPOs — der fairste Preis, der Modus der Verteilung. Stärkster Magnet/Referenz des Profils.
- Value Area (VA): Bereich um den POC, der ~70 % der TPOs/Volumens enthält (≈ 1 Standardabweichung). Begrenzt durch:
- VAH (Value Area High): oberer Value-Rand.
- VAL (Value Area Low): unterer Value-Rand.
- Innerhalb der VA = fair (Rotation). Außerhalb = Initiative-Territorium.
- Initial Balance (IB): Range der ersten Stunde (erste zwei 30-Min-Brackets). Wird vom Day-Timeframe früh gesetzt und ist die Referenz, gegen die Range-Extension gemessen wird. Breite IB = Day-Timeframe hat den Tag „eingerahmt”; schmale IB = Raum für OTF.
- Range Extension: Preis bewegt sich über die IB hinaus → Signatur von OTF/Initiative. Eine der wichtigsten Day-Type-Weichen (Teil C).
- Tail / Excess: Langer single-print-Schweif am Extrem = Buying Tail (unten) bzw. Selling Tail (oben) = starke Ablehnung = gutes Ende (vgl. A7).
- Single Prints: Preise mit nur einem TPO — schnelle Bewegung (oft in Range-Extension/Trend). Wirken später als S/R; ein „Single-Print-Buying-Tail” ist ein starkes Support-Band.
- Poor High / Poor Low: flaches Extrem ohne Tail = unfertige Auktion (vgl. A7).
- Half-Back: 50 % der Session-Range — natürliche Mean-Reversion-Referenz innerhalb eines Tages (oft Konfluenz mit POC/VWAP).
- Open / Close: Eröffnungs- und Schlusspreis als eigenständige Referenzen; der Open ist der Tages-Pivot (vgl. ORR), der Close zeigt, wer am Tagesende die Kontrolle hatte.
B2. Volume Profile (Volumen-basiert) — die moderne Schicht
Gleiche Logik, aber Volumen-an-Preis statt Zeit/TPO. In elektronischen Märkten heute oft das genauere Acceptance-Maß, weil tatsächlich gehandeltes Volumen ehrlicher ist als verstrichene Zeit (Zeit kann ohne Handel vergehen — Volumen nicht).
- VPOC (Volume Point of Control): Preis mit dem höchsten gehandelten Volumen. (Kann vom TPO-POC abweichen — VPOC gewichtet Beteiligung, TPO-POC Zeit.)
- HVN (High Volume Node): Preisbereich mit viel Volumen = Acceptance/Value = Magnet, S/R, „klebrige” Zone. Preis kehrt gern dorthin zurück.
- LVN (Low Volume Node): Bereich mit wenig Volumen = Rejection-Zone. Preis bewegt sich schnell hindurch; LVNs sind die Grenzen zwischen Verteilungen und liefern saubere Breakout-/Stop-Level (durch eine LVN „fällt” der Preis bis zur nächsten HVN).
- Naked / Virgin POC: Ein POC einer früheren Session, den der Preis noch nicht erneut berührt hat → unfinished business → Magnet. Hochwertiges Ziel.
- Composite Profile: Aggregation mehrerer Sessions/Wochen zu einem längerfristigen Profil → zeigt die übergeordneten HVN/LVN und Value-Bereiche (Makro-Struktur). Unverzichtbar für Kontext über den Einzeltag hinaus.
- Minus Development (Steidlmayer): Bereiche geringer Entwicklung/geringen Volumens zwischen zwei Verteilungen — konzeptionell identisch mit LVN; markiert, wo der Markt nicht verweilen wollte.
Praxis-Heuristik: HVN = wo Preis bleibt (faden/Ziel), LVN = wo Preis rennt (Break/durchlaufen). Naked POC = wohin er zurückwill.
B3. VWAP — der moderne institutionelle Anker
VWAP (Volume-Weighted Average Price) ist kein klassisches Steidlmayer-Element, aber heute zentral, weil Institutionen ihre Ausführung gegen VWAP benchmarken — er ist faktisch die dynamische Fair-Value-Linie des Tages.
- Definition: Durchschnittspreis, gewichtet mit Volumen — where the average participant transacted.
- Standardabweichungs-Bänder (±1/±2/±3 SD): definieren gestreckte vs. faire Zonen. ±1 SD ≈ dynamisches Value-Band; ±2/3 SD = statistisch gestreckt → responsive Erwartung.
- Anchored VWAP: an einen frei gewählten Startpunkt geankert — Session-Start, Swing-High/Low, News-Event, HTF-Open. Mächtig, um die Akzeptanz seit einem Ereignis zu messen.
- Rolle:
- Bias-Filter: Preis über VWAP → Long-Seite hat Edge; unter → Short-Seite (vgl. Bias-Schnellread in der Checkliste).
- Pullback-Ziel im Trend: im OD/OTD der erste saubere Rücklauf-Einstieg.
- Fade-Referenz in Balance: Mittel, zu dem rotiert wird (Konfluenz mit POC/Half-Back).
Projekt-Anker-Konvention (vgl. Checkliste): Profil und VWAPs sind an den Eurex-/Globex-Overnight-Start geankert → Daily VWAP ist um 09:00 bereits ein valides Mittel (kein Kaltstart).
B4. Die Referenzpunkt-Hierarchie (das „Wo”)
AMT liefert nicht nur Tagesstruktur, sondern ein geschichtetes Referenz-Set über Timeframes. Diese Level sind die Ebene 2 des Prozesses — die Orte, an denen Filter (Ebene 1) und Trigger (Ebene 3) zusammentreffen:
| Timeframe | Referenzen | Funktion |
|---|---|---|
| Intraday | Open, IB-H/L, POC/VPOC, VAH/VAL, Half-Back, Single Prints, Daily VWAP | Tagesnavigation, Drehpunkte |
| Overnight | ONH/ONL, Overnight-VWAP, Overnight-Value | Test-/Reject-Level am Open |
| Vortag | PDH/PDL, Prev VAH/VAL/POC, Vorabschluss/Settlement (Gap-Ref) | Value-Lage, Gap-Logik |
| Woche | Weekly Open, PWH/PWL, Weekly VWAP, Weekly VPOC | Wochen-Bias, größere Ziele |
| Monat / Composite | Monthly VWAP, Composite-HVN/LVN, Naked POCs | Makro-Bias, Magnete |
Konfluenz-Regel (projektweit): Stacken mehrere Referenzen eng (z. B. PDH + ONH + Weekly VWAP) → schweres Level (hohe Qualität, zuerst hinschauen). Einzelne Linie ohne Konfluenz → leichtes Level (vorsichtiger). Konfluenz ist der Qualitätsverstärker eines Levels.
B5. Der Bestätigungs-Layer (VWAP · OHLC · Gamma)
Über die klassischen Profil-/Auktions-Referenzen (B1–B4) legt das Projekt einen Bestätigungs-Layer aus drei Werkzeugen. Einordnung zuerst (vgl. Methodik_AMT-als-Filter): Sie sind Ebene-2-Referenzen, die die Bias-Seite der Ebene 1 stützen — Bestätigung, nie Trigger. Sie verschieben die Qualität eines Levels (Konfluenz), ersetzen aber weder die AMT-Filterung (Ebene 1) noch den Orderflow-Trigger (Ebene 3). Damit gilt auch für sie „Filter, nicht Narrativ”.
- VWAP (Daily/Weekly/Monthly/Session) — der dynamische Fair-Value-Anker (Details in B3). Bias-Filter (über/unter), Pullback-Ziel im Trend, Fade-Referenz in Balance. Verlässlichkeit skaliert mit echtem Volumen → in dünner Overnight-Session schwächer, in Heimat-RTH belastbar.
- OHLC (pdH/pdL/pClose/dOpen + ONH/ONL) — reine Preis-Referenzen, als Linien immer gültig; die Reaktionsqualität an ihnen ist aber session-abhängig (pdH/pdL werden in der Heimat-RTH zuverlässiger verteidigt als über Nacht). Speist Gap-Logik (Vorabschluss), Test-/Reject-Level und Value-Lage. In der Referenz-Hierarchie (B4) bereits über die Timeframes verteilt enthalten.
- Gamma-Level (MenthorQ) — options-abgeleitete Wände/Magnete und damit kein klassisches AMT-Konzept, sondern Dealer-Hedging-Struktur (wie VWAP ein externer Anker außerhalb von Steidlmayer). Verfügbar für ES/NQ und 6E, nicht für FDAX. Bleiben auch in schwachen Sessions gültige Referenz-Magnete; ihre Haltekraft als Wall folgt aber der Session-Qualität (stark für ES/NQ in US-RTH und für 6E im London–NY-Overlap, wo Dealer-Hedging-Flow vorhanden ist; schwächer über Nacht → dort eher Referenz als sicherer Fade-Punkt). Im FDAX tragen Profil/VWAP/OHLC den Layer allein (siehe FDAX_Open-Type-Playbook).
Konfluenz-Logik: Ein Profil-Level (z. B. VAL) gewinnt Qualität, wenn ein Bestätigungs-Layer-Element daraufliegt (VAL + Daily VWAP + Gamma-Put-Wall = schweres Level). Das Element allein ist nie der Trade — es ist der Konfluenz-Verstärker eines AMT-Levels. Faustregel: Bestätigungs-Layer-Verlässlichkeit folgt der Session-Qualität (vgl. Sessions_London_ES-NQ-vs-FDAX).
TEIL C — Day Types (Tagestypen)
Die Day-Type-Klassifikation (Dalton/Steidlmayer) ist die strukturelle Vorhersage-Grenze von AMT: Sie sagt nicht, was passiert, sondern in welchem Bewegungs-Charakter der Tag abläuft — und damit, ob du fadest oder mitgehst. Sie ist das Tages-Pendant zur Open-Type-Logik (die den Beginn klassifiziert).
| Day Type | IB | Range-Extension | Wer dominiert | Profil-Form | Charakter & Handel |
|---|---|---|---|---|---|
| Normal Day | sehr breit | kaum | Day-Timeframe | breite Glocke (D) | IB rahmt den Tag; Ränder faden. Selten in modernen Märkten. |
| Normal Variation Day | mittel | einseitig (~bis 2× IB) | OTF tritt mittags ein | leicht elongiert | Häufigster Tag. Erst Balance, dann eine Range-Extension. Mit der Extension gehen. |
| Trend Day | klein vs. Range | stark, einseitig, ganztägig | OTF, eine Seite | dünn, vertikal | Value wandert den ganzen Tag, Schluss am Extrem. Niemals faden — Pullbacks kaufen/verkaufen. |
| Double Distribution Trend Day | klein | Breakout in neuen Bereich | OTF nach ruhigem Open | zwei Bulges + single prints dazwischen | Ruhiger Open, dann Drive in zweite Verteilung. Die single prints dazwischen = LVN/S-R. |
| Neutral Day | mittel | beidseitig | OTF beide Seiten (Konflikt) | breit, oft zweigipflig | Range-Extension hoch und runter = Unentschiedenheit. Neutral-Center (Schluss Mitte) vs. Neutral-Extreme (Schluss am Rand = eine Seite gewinnt spät). |
| Non-Trend Day | sehr klein | keine | niemand (Lähmung) | schmal, kompakt | Minimale Range, niedrige Beteiligung. Wartet auf Katalysator. Klein/gar nicht traden. |
Wie man sie früh erkennt (die praktische Pointe):
- IB-Breite messen (erste Stunde) — schmale IB lädt OTF/Trend ein; breite IB deckelt eher (Normal/Neutral).
- Erste Range-Extension beobachten — einseitig & getragen (Liquidität pullt, CVD trendet) → Trend/Normal-Variation. Beidseitig → Neutral. Keine → Non-Trend.
- Value-Verhalten — wandert Value mit (Trend) oder bleibt es stabil (Balance)?
Verbindung zu deinem Setup: Open-Type (FDAX_Open-Type-Playbook) klassifiziert die ersten Minuten; Day Type ist die Tages-Auflösung derselben Frage. Ein Open-Drive mündet typischerweise in einen Trend Day oder Double-Distribution-Trend Day; eine Open-Auction in-range in einen Normal/Neutral Day. Beide Klassifikationen beantworten dieselbe Ebene-1-Frage auf zwei Zeit-Auflösungen.
TEIL D — Profil-Formen & Value-Relationships
D1. Profil-Formen (was die Form dir verrät)
Die Form des Verteilungsprofils ist eine Sofort-Diagnose, welche Auktion gerade stattfand:
- D-Form (Normal/Glocke): symmetrisch, POC mittig → Balance. Zweiseitige Auktion, Ränder faden.
- b-Form (fetter Boden, langer Hals nach oben): Markt fiel, dann Balance an den Tiefs → typisch Long-Liquidation, die ausläuft. Der dünne obere Teil = abverkaufte Strecke. Vorsicht: b ist nicht automatisch bullisch — es ist erst mal nur „Verkäufer fertig mit Liquidieren”.
- P-Form (fetter Kopf, dünner Schwanz nach unten): Markt stieg (oft Short-Covering/Squeeze), dann Balance an den Hochs. Der dünne untere Teil = Squeeze-Strecke. Auch hier: P ist nicht automatisch bärisch, sondern „Short-Druck erschöpft, jetzt Balance oben”.
- Elongiert/dünn (I-Form): Trend Day — vertikale Entwicklung, kaum Verweildauer.
- Double Distribution (zwei Bulges): zwei Value-Bereiche durch single prints/LVN verbunden → Double-Distribution-Trend-Day; die LVN dazwischen ist das entscheidende S/R.
Praxis: b/P sind Übergangs-Signaturen. Die Schlüsselfrage ist immer: Ist die fette Zone eine echte neue Value-Bildung (Acceptance → Fortsetzung möglich) oder nur erschöpfte Gegenseite (Liquidation/Squeeze ausgelaufen)? — Das entscheidet der Orderflow am fetten Bereich (baut sich initiatives Volumen auf, oder versiegt nur die alte Aggression?).
D2. Value-Area-Relationships (Tages-Bias aus der Value-Lage)
Die Lage der heutigen VA relativ zur gestrigen ist eine der direktesten Bias-Quellen der AMT (Value-Migration in Reinform):
| Heutige VA vs. Vortag | Bias | Bedeutung |
|---|---|---|
| Higher Value (komplett darüber) | bullisch | Initiative-Käufer haben Value hochgezogen |
| Lower Value (komplett darunter) | bärisch | Initiative-Verkäufer haben Value heruntergezogen |
| Overlapping Higher | mild bullisch | Migration nach oben, aber noch Verbindung |
| Overlapping Lower | mild bärisch | Migration nach unten, noch Verbindung |
| Unchanged / Overlapping | neutral / Balance | kein Edge, zweiseitig — kleineres Commitment |
D3. Open relativ zu Value/Range (die Pre-Open-Weiche)
Die Lage des Open relativ zum Vortags-Value/-Range grenzt schon vor dem ersten Tick die wahrscheinlichen Day-/Open-Types ein:
- Open innerhalb Vortags-VA → Balance/OA wahrscheinlicher (der Markt eröffnet „fair”).
- Open außerhalb Vortags-VA, aber innerhalb Range → Initiative-Potenzial, Acceptance-Frage.
- Open außerhalb Vortags-Range (Gap) → stärkste Initiative-/Trend-Erwartung oder Gap-Fill-Fade — die Gap-Acceptance-Frage entscheidet (vgl. Open-Type-Pre-Open-Block).
Dies ist exakt die Pre-Open-Lean-Bildung der Checkliste: „Gap akzeptiert oder gefadet? Open im Initiative- oder Responsive-Territorium?” — Value-Relationship (D2) + Open-Lage (D3) liefern zusammen den Lean, bevor der Open läuft.
TEIL E — AMT in modernen Märkten (die Anpassung)
Steidlmayers Modell stammt aus dem Pit. Die Mechanik (A1–A7) ist zeitlos — eine Auktion bleibt eine Auktion. Aber Vehikel, Teilnehmer und Werkzeuge haben sich geändert. Was heute zählt:
E1. Elektronisch & 24h — RTH vs. ETH
- ES/NQ laufen auf CME Globex quasi 23h, FDAX auf Eurex mit langer Vor-/Nachhandelszeit, BTC 24/7.
- Damit existiert ein Overnight-/ETH-Profil neben dem RTH-Profil. Beide sind getrennt zu lesen: Das RTH-Profil ist die ehrliche Preisfindung des Heimatmarkts; das Overnight-Profil ist Platzhalter-Auktion mit schwächerer Aussagekraft (für ES/NQ ausführlich in Sessions_London_ES-NQ-vs-FDAX).
- Konsequenz für AMT: Value-Konzepte gelten innerhalb der jeweiligen Session-Definition. Ein „Overnight-VAL” hat nicht dasselbe Gewicht wie ein RTH-VAL — weniger Beteiligung = weniger belastbarer Wert. Vehikel zur Tageszeit wählen (EU-Vormittag → FDAX, 6E aktiv; London–NY-Overlap → 6E-Prime + US-Übergang; US-RTH → ES/NQ; Lücken → BTC).
E2. Algos & HFT — wer heute „Responsive” ist
- Der klassische local, der Extreme fadet, ist heute teils durch Algorithmen ersetzt. Sie stellen und ziehen Liquidität in Millisekunden.
- Die Auktionslogik bleibt trotzdem gültig: Irgendjemand muss initiativ (treibend) oder responsiv (verteidigend) sein — das ist strukturell, nicht teilnehmerabhängig. Aber: Liquidität ist flüchtiger (spoofy, schnell gepullt), weshalb die Bookmap-Unterscheidung „hält & refresht vs. pullt” heute zentraler ist als das fertige Profil. Du liest Acceptance/Rejection an der Liquiditäts-Dynamik, nicht erst am ausgedruckten TPO.
E3. Der Orderflow-Layer — die Mikro-Auflösung, die AMT fehlte
Klassische AMT endet beim Profil (Makro-Acceptance). Der Orderflow ist dieselbe Auktion eine Auflösungsstufe tiefer und liefert das Timing, das dem reinen Profil fehlt:
| AMT-Konzept (Makro) | Orderflow-Äquivalent (Mikro, Echtzeit) |
|---|---|
| Acceptance an einem Level | Volumen/Delta baut sich auf, Liquidität refresht beidseitig |
| Rejection / Excess | Klimaktische Aggression absorbiert + Flush; CVD-Divergenz am Extrem |
| Initiative dominiert | Liquidität pullt vor Preis, CVD trendet ohne Divergenz, einseitiges Tape |
| Responsive dominiert | Resting-Wall hält/refresht, Aggression versiegt, Delta oszilliert |
| Range-Extension (OTF) | Absorption der Gegenseite + kein Refill in Drive-Richtung |
Das ist die Brücke zur Drei-Ebenen-Synthese: AMT/Profil = Ebene 1 (welche Seite, welche Level), Level = Ebene 2 (wo), Orderflow = Ebene 3 (wann). Der Orderflow bestätigt oder widerlegt die AMT-These am Level in Echtzeit — „Bildschirm schlägt These” (vgl. Methodik_AMT-als-Filter).
E4. TPO-Rückgang, Volumen-Aufstieg
In der modernen Praxis hat Volume Profile das TPO-Profil als Ausführungswerkzeug weitgehend abgelöst (ehrlicheres Acceptance-Maß, s. B2), während die TPO-/Day-Type-Sprache als konzeptioneller Rahmen bleibt. Typischer moderner Stack (deiner): Volume Profile + VWAP + Orderflow statt reinem TPO. Die Begriffe (POC, VA, IB, Excess, Day Type) tragen unverändert — nur die Messgröße darunter ist Volumen statt Zeit.
E5. „Liquidity”-Sprache als AMT in anderem Vokabular
Moderne „Smart-Money/Liquidity”-Begriffe sind oft AMT-Konzepte in neuer Verpackung — nützlich zur Übersetzung, nicht als Konkurrenz-Theorie:
| Moderne Sprache | AMT-Übersetzung |
|---|---|
| Liquidity Grab / Stop Run / Sweep | Test eines Extrems (ONH/PDH) ohne Follow-through → OTD-/Excess-Logik |
| Liquidity Pool / Resting Liquidity | geclusterte Stops/Orders an einem Key Level (Profil-Rand) |
| Imbalance / Fair Value Gap | single prints / LVN (schnelle, unentwickelte Strecke) |
| Mitigation / Re-Test | Rückkehr zu einem HVN / Naked POC (Acceptance prüfen) |
| Premium / Discount | Preis über/unter Value (responsive Erwartung) |
Einordnung: Wer „nur Liquidity + Orderflow” tradet, benutzt AMT-Endprodukte ohne die Theorie dahinter (vgl. die Schein-Dichotomie in Methodik_AMT-als-Filter). Die Übersetzungstabelle macht beide Sprachen kompatibel — du verlierst nichts, gewinnst aber den Filter.
TEIL F — Marktspezifika ES / NQ / 6E / FDAX / BTC
Dieselbe Theorie, andere Mikrostruktur. Die Unterschiede betreffen Buchtiefe, Overshoot-Neigung, Session-Ehrlichkeit, Anker-Logik und Bestätigungs-Layer-Verfügbarkeit — nicht die AMT-Mechanik selbst.
| Dimension | ES | NQ | 6E | FDAX | BTC |
|---|---|---|---|---|---|
| Buchtiefe | tiefste, glatteste | dünner als ES | tief (FX-Major), peakt im Overlap | dünn-aber-ehrlich (EU-RTH) | variabel, börsenabhängig |
| Overshoot | gering (Puffer) | mittel (Air-Pockets) | moderat (Data-Spikes) | hoch (höherer Punktwert) | hoch (Liquidity-Hunts) |
| Heimat-/Prime-Fenster | US-Cash 09:30–16:00 ET | US-Cash | London + London–NY-Overlap | EU 09:00–17:30 FFM | keine (24/7) |
| Referenz-Reichtum | sehr hoch (Leitmarkt) | hoch (folgt ES) | hoch (FX-eigene Treiber) | hoch in EU-RTH | mittel, börsenfragmentiert |
| Gamma (MenthorQ) | ✓ | ✓ | ✓ | ✗ | — |
| AMT-Eignung | sauberste Profile/Value | etwas „luftiger” | hoch in London/Overlap | Open-Type-Logik exzellent | Profil/VWAP top, Anker trickreich |
Gamma-Zeile lesen: ✓ = MenthorQ liefert das Instrument (Haltekraft folgt der Session-Qualität, vgl. B5); ✗ = nicht verfügbar (FDAX) → dort tragen Profil/VWAP/OHLC den Bestätigungs-Layer allein; — = im Projekt nicht als Standard-Layer geführt (BTC).
ES — der Referenzmarkt: tiefes Buch, verlässlichste Value Areas, sauberste Excess-/Acceptance-Reads. Bestes Vehikel zum Erlernen von AMT, weil das Profil am ehrlichsten „atmet”. Primär in US-RTH handeln.
NQ — strukturell dünner, über Nacht/London nochmals „luftiger” → Air-Pockets, überschießende Moves, single prints häufiger. AMT gilt, aber Stops müssen mehr Overshoot atmen; Value-Ränder werden leichter durchstoßen. Eng korreliert mit ES — als Bestätigung gegenlesen.
6E (EUR/USD-Future) — kein Overnight-Sekundärmarkt wie ES/NQ in EU-Stunden, sondern in seinem Prime-FX-Fenster: EUR/USD-Liquidität ist London-zentriert und peakt im London–NY-Overlap (15:30–17:30 FFM / 09:30–11:30 ET). Qualitativ steht 6E damit auf der FDAX-Seite (echte zweiseitige Auktion, echtes Volumen, belastbare IB/Range-Extension), nicht auf der ES/NQ-Overnight-Seite. Eigener Markttreiber: Zinsdifferenzen, Fed/ECB-Erwartung — die Korrelation zum FDAX ist instabil (kein fixes Vorzeichen → nicht mechanisch gegenlesen). Gamma-Level (MenthorQ) verfügbar und im Prime-Fenster mit echter Haltekraft (Dealer-Hedging-Flow vorhanden) — der volle Bestätigungs-Stack (Profil + VWAP + OHLC + Gamma) ist hier also vorhanden. Bestes Fenster: der Overlap. (Session-Details in Sessions_London_ES-NQ-vs-FDAX.)
FDAX — dünnes-aber-ehrliches Buch + höherer Punktwert = weniger Puffer, mehr Overshoot. Ränder überschießen oft, bevor sie halten → Fades nur mit Absorption-Bestätigung, nie blind am Level. Genau deshalb zählt AMT hier eher mehr (die Overshoot-vs-Acceptance-Frage ist eine AMT-Entscheidung, vgl. Methodik_AMT-als-Filter). Heimat-RTH ist die EU-Session — bestes AMT-Vehikel am Vormittag. Einziges Instrument der Gruppe ohne Gamma → Profil/VWAP/OHLC + Orderflow umso bewusster gewichten.
BTC — die größte Anpassung, weil 24/7 ohne echten Close/RTH:
- Kein Opening-Auction, keine IB im klassischen Sinn — die „Session” ist eine Konvention. Dennoch funktionieren Daily/Weekly/Monthly Open als Referenzen, und regionale Aktivitätsfenster (Asien/EU/US) prägen Volumen-Rhythmen.
- Anker-Frage ist nicht-trivial: Daily i. d. R. an UTC-Mitternacht (oder Börsen-Konvention); Weekly an Wochen-Open. Anchored VWAP ist in BTC besonders wertvoll, weil es keinen natürlichen Session-Reset gibt.
- CME-BTC-Futures haben Wochenend-Gaps (CME schließt, Spot läuft 24/7 weiter) → CME-Gaps füllen häufig = eigenes, handelbares Setup (Naked-POC-/Gap-Magnet-Logik).
- Wochenenden = dünnes Regime: geringe Beteiligung, Liquidity-Hunts/Wicks häufiger, Wochenend-Profile weniger belastbar (analog zur Overnight-Platzhalter-Auktion bei ES/NQ).
- Orderflow-Eigenheiten: Spot-CVD vs. Perp-CVD divergieren; Funding Rate als Positionierungs-Tell; Liquidationen erzeugen Excess-artige Flushes. Volume Profile, HVN/LVN, Naked POCs und VWAP übertragen sich sehr gut — BTC ist im Kern ein extrem liquiditäts-/volumengetriebener Markt, also AMT-affin; nur die Session-/Anker-Hülle muss man bewusst setzen.
TEIL G — Wie AMT im Prozess sitzt (Verlinkung)
AMT ist in diesem Projekt kein Narrativ, aus dem du tradest, sondern der Qualitätsfilter, innerhalb dessen du tradest (Methodik_AMT-als-Filter). Die Drei-Ebenen-Synthese ordnet jeder Schicht genau eine Aufgabe zu:
| Ebene | Frage | AMT-Bezug | Werkzeug |
|---|---|---|---|
| 1 — Filter | Welches Regime? Welche Seite hat Edge? Welche Level zählen? | gesamtes Teil A–D (Balance/Trend, Initiative/Responsive, Day-/Open-Type, Value-Lage) | AMT + Profil + Bestätigungs-Layer (VWAP/OHLC/Gamma) |
| 2 — Wo | An welchem Punkt entscheide ich? | Teil B4 (Referenz-Hierarchie, Konfluenz) | Key Level (aus Ebene 1 abgeleitet) |
| 3 — Wann | Trigger am Level? | Teil E3 (Orderflow als Mikro-Auktion) | Bookmap/CVD/DOM/Tape |
Merksatz für jeden Trade: AMT sagt welche Seite & welche Level, Orderflow sagt wann, das Level sagt wo. Kein Trade ohne alle drei. Dieses Grundlagen-Dokument liefert das Vokabular und die Theorie für Ebene 1 — die konkreten Klassifikationen leben in FDAX_Open-Type-Playbook, der Ablauf in Checkliste_FDAX-09-Open.
SCHNELLREFERENZ
S1. Glossar (kompakt)
| Begriff | Kurzdefinition |
|---|---|
| AMT | Markt = kontinuierliche zweiseitige Auktion; Zweck = Handel ermöglichen |
| Market Profile | TPO-Visualisierung der Auktion über Preis |
| Volume Profile | Volumen-an-Preis-Visualisierung (modernes Acceptance-Maß) |
| TPO | Time Price Opportunity — Zeit×Preis-Baustein des Profils |
| POC / VPOC | Preis mit meisten TPOs / meistem Volumen = fairster Preis, Magnet |
| Value Area (VAH/VAL) | ~70 %-Bereich (≈1 SD) um POC; faire Zone |
| IB (Initial Balance) | Range der 1. Stunde; Referenz für Range-Extension |
| Range Extension | Bewegung über IB hinaus = OTF/Initiative-Signatur |
| Excess / Tail | scharfe Umkehr mit single-print-Schweif = gutes Ende, verlässlicher Rand |
| Poor High / Low | flaches Extrem ohne Tail = unfertig → wird erneut besucht |
| Single Print / LVN | schnell durchlaufene, unentwickelte Strecke; S/R, Break-Grenze |
| HVN | High Volume Node = Acceptance/Value, Magnet, klebrig |
| Naked / Virgin POC | unberührter früherer POC = unfinished business, Magnet |
| Initiative | Kauf über / Verkauf unter Value → treibt, neuer Value |
| Responsive | Kauf unter / Verkauf über Value → verteidigt Value, fadet |
| OTF / Day-Timeframe | längerfristiger (treibender) vs. intraday (verteidigender) Akteur |
| Balance / Imbalance | zweiseitig-rotierend vs. einseitig-gerichtet (Trend) |
| Acceptance / Rejection | Zeit/Volumen baut auf (Value) vs. schnelles Verlassen (kein Value) |
| Value-Migration | tägliche Value-Verschiebung = Trend in Zeitlupe |
| VWAP (+ SD-Bänder) | volumengewichtetes Mittel = dynamischer Fair Value / Bias-Filter |
| OHLC | pdH/pdL/pClose/dOpen + ONH/ONL — reine Preis-Referenzen, immer gültig; Reaktionsqualität session-abhängig |
| Gamma-Level (MenthorQ) | options-abgeleitete Wände/Magnete; ES/NQ/6E, nicht FDAX; Bestätigung nie Trigger; Haltekraft folgt Session-Qualität |
| Bestätigungs-Layer | VWAP + OHLC + Gamma — Ebene-2-Konfluenzverstärker der Bias-Seite; nie Trigger |
| Half-Back | 50 % der Session-Range = Mean-Reversion-Referenz |
| Composite | aggregiertes Mehr-Session-Profil = Makro-Struktur |
S2. Kern-Heuristiken (auswendig)
- Markt = Auktion. Zweck = Handel ermöglichen. Preis sucht, Value ist wo Handel angenommen wird.
- Initiative vs. Responsive entscheidet die Seite. Initiative → mitgehen (Ränder brechen). Responsive → faden (Ränder halten).
- Balance → faden, Trend → mitgehen. Der Kipp-Punkt dazwischen ist der margenstärkste Trade.
- HVN = Preis bleibt (Ziel/Fade), LVN = Preis rennt (Break). Naked POC = wohin er zurückwill.
- Excess = gutes Ende (verlässlich). Poor High/Low = unfertig (wird geholt).
- VWAP-Bias: über = Long-Edge, unter = Short-Edge, gemischt = zweiseitig/kleiner.
- Value-Lage = Tages-Bias: higher/lower/overlapping/unchanged Value.
- Overnight-Value < RTH-Value. Weniger Beteiligung = weniger belastbarer Wert.
- FDAX/NQ/BTC überschießen — am Rand nie blind faden, Absorption abwarten, Stops atmen lassen.
- AMT ist Filter, nicht Narrativ. Vorhersage-Sätze („heute rotiert es”) = Warnsignal. Bildschirm schlägt These.
- Bestätigungs-Layer = Konfluenz, nie Trigger. VWAP/OHLC/Gamma verschieben nur die Level-Qualität; ihre Verlässlichkeit folgt der Session-Qualität (Gamma nur ES/NQ/6E, nicht FDAX).
S3. Day-Type-Schnelltabelle
| Typ | Erkennung (früh) | Handel |
|---|---|---|
| Normal | sehr breite IB, kaum Extension | Ränder faden |
| Normal Variation | mittlere IB, eine Extension mittags | mit der Extension gehen |
| Trend | kleine IB, einseitig getragen, ganztags | nie faden, Pullbacks nehmen |
| Double Distribution Trend | ruhiger Open → Breakout in 2. Bereich | mit Drive; LVN dazwischen = S/R |
| Neutral | Extension beidseitig | vorsichtig; Center vs. Extreme abwarten |
| Non-Trend | winzige Range, keine Extension | klein/gar nicht traden |
S4. Profil-Form-Schnelltabelle
| Form | Auktion | Lese |
|---|---|---|
| D | Balance | Ränder faden |
| b | Long-Liquidation läuft aus, Balance an Tiefs | nicht autom. bullisch — Orderflow am fetten Boden prüfen |
| P | Short-Covering/Squeeze, Balance an Hochs | nicht autom. bärisch — Orderflow am fetten Kopf prüfen |
| I (elongiert) | Trend | mitgehen |
| Double Distribution | zwei Value-Bereiche + LVN | LVN = Schlüssel-S/R |
S5. Regime-Schnelltest (< 1 Minute, Ebene-1-Filter)
1. VWAP-Bias? über alle 3 → Long-Edge | unter → Short-Edge | gemischt → zweiseitig
2. Value-Lage? higher/lower (Trend-Bias) vs. overlapping/unchanged (Balance)
3. Profil-Form? D = Balance | elongiert = Trend | b/P = Übergang prüfen
4. Letzte Bewegung getragen? Liq. pullt + CVD trendet (Initiative) vs. Wall hält + Delta oszilliert (Responsive)
→ Verdikt: Balance (faden) oder Imbalance (mitgehen) + welche Seite.
Offene Punkte / später vertiefen
- Composite-Profil-Routine: feste Lookback-Fenster (z. B. 5/20-Tage-Composite) je Instrument, um Makro-HVN/LVN systematisch zu pflegen.
- BTC-Anker-Konvention festklopfen: UTC-Daily vs. Börsen-Open; Weekend-Gap-Fill-Statistik (CME) als eigenes Setup ausarbeiten.
- Day-Type-Frühklassifikation aus IB-Breite: instrumentspezifische IB-Schwellen (ES/NQ/FDAX), ab denen Trend vs. Normal/Neutral wahrscheinlicher wird.
- Excess-Kalibrierung: typische single-print-/Tail-Längen je Instrument zur Unterscheidung „echtes Excess vs. nur Overshoot” (Punktwert-bewusst, verzahnt mit Open-Type-Overshoot-Punkten).
- Naked-POC-Trefferquote: wie zuverlässig Naked POCs je Markt als Magnet wirken (Distanz-/Zeit-Verfall).
- Liquidity-Übersetzung vertiefen: FVG/Imbalance-Begriffe exakt auf LVN/single-print-Mechanik mappen, um fremde Analysen schnell in AMT-Sprache zu übersetzen.
- 6E-Spezifik vertiefen: VWAP-Anker-Konvention (Session-Start) für 6E festklopfen und 6E–FDAX-Korrelationsverhalten in der EU-Session empirisch einordnen (wann gleich-, wann gegenläufig) — verzahnt mit Sessions_London_ES-NQ-vs-FDAX.
- Gamma-Integration in die Konfluenz: Scoring, wie stark eine Gamma-Wall ein AMT-Level aufwertet (je Session-Qualität), und ab wann FDAX ohne Gamma einen messbaren Nachteil hat.