Session-Qualität: London-Session — ES/NQ vs. FDAX vs. 6E
Themenbereich: Markt-Auswahl & Handelszeiten Methodik-Kontext: AMT + Volumen-/Marktprofil + Orderflow (Bookmap/Heatmap, Delta/CVD, DOM, Tape); Bestätigungs-Layer: VWAP (Daily/Weekly/Monthly/Session), OHLC (pdH/pdL/pClose/dOpen), Gamma-Level (MenthorQ — ES/NQ und 6E verfügbar, FDAX nicht) Instrumente: ES, NQ, 6E (Futures), FDAX (Futures); BTC als 24/7-Lückenfüller Status: FERTIG
Kernaussage
In der London-Session laufen ES/NQ im Overnight-/Sekundär-Regime — handelbar, aber strukturell minderwertig für sauberes AMT + Orderflow. FDAX ist in diesen Stunden in seiner Heimat-RTH, 6E in seinem Prime-FX-Fenster (peakt im London–NY-Overlap) — beide damit strukturell überlegene Vehikel für AMT/Orderflow am europäischen Vormittag. Folgt direkt aus der Sessionmechanik, keine Geschmacksfrage.
Heuristik: Europäischer Vormittag → FDAX (und 6E aktiv). London–NY-Overlap → 6E-Prime + US-Übergang. US-RTH → ES/NQ. BTC als Lückenfüller.
Session-Landkarte (Cash/RTH bzw. Prime-Fenster der Underlyings)
| Session | Lokal | Frankfurt (CET/CEST) | New York (ET) |
|---|---|---|---|
| London Cash | 08:00–16:30 | 09:00–17:30 | 03:00–11:30 |
| US Cash (ES/NQ-RTH) | 09:30–16:00 ET | 15:30–22:00 | 09:30–16:00 |
| 6E Prime / London–NY-Overlap | 13:00–16:30 London | 15:30–17:30 | 09:30–11:30 |
- London liegt konstant 1 h hinter CET → London-Open und Xetra/FDAX-Open (09:00 Frankfurt) fallen praktisch zusammen.
- Frankfurt–NY-Versatz stabil 6 h, London–NY 5 h — Ausnahme: ~3 Wochen im März und Okt/Nov, wenn EU/US-Sommerzeit nicht synchron umstellen (je 1 h Verschiebung → Session-Timing prüfen).
- Wichtig: Die London-Session deckt für ES/NQ ~03:00–09:30 ET ab — also fast vollständig vor dem US-Cash-Open. Nur die letzte Stunde (ab 15:30 Frankfurt / 09:30 ET) überlappt mit US-RTH und ist dann faktisch „US-Session”.
ES/NQ in der London-Session
AMT
- Primäre Preisfindung der US-Indizes = US-Hours. Über Nacht/EU-Vormittag = Platzhalter-Auktion (Reaktion auf EU/Makro-Flow + Positionierung in den US-Open).
- Overnight Value Areas wenig vertrauenswürdig → am US-Open häufig neu definiert.
- Responsive Activity schwach → Edges (Overnight-H/L, VAH/VAL) werden leichter durchstoßen; „rotiert zurück” trägt ohne Bestätigung selten.
- Typische Muster: dünne Overnight-Balance ODER headline-getriebener Direktionalmove, der am Cash-Open neu ausgepreist wird.
- Hauptnutzen = Kontext, nicht Ausführung: Overnight-Range, Overnight-VWAP, Lage des US-Open relativ zu Overnight- und Vortags-Value (Open außerhalb Vortags-VA → Initiative-Setups erwartbar).
Orderflow
- Bookmap/Heatmap: Dünne Resting Liquidity; einzelne Großorder potenziell aussagekräftiger, aber leichter gepullt.
- Delta/CVD: Kleinere Swings, oberflächlich „sauberer”, als Conviction-Signal unzuverlässig (wenige Teilnehmer dominieren; skaliert nicht in den US-Open).
- DOM/Tape: Langsamer, Bursts auf EU-Daten (Ifo, PMIs, ECB-Speak).
- NQ-Sonderfall: Stets dünner als ES, über Nacht/London nochmals deutlich „luftiger” → Air-Pockets, überschießende Moves.
Fazit: Brauchbar für Kontext + Katalysatoren (EU-Daten, Lauf in den US-Open), niedrige Conviction für reine AMT-Rotationen. Clean Trade bleibt die US-RTH. Eigenheit: Gamma-Level (MenthorQ) bleiben auch hier gültige Referenz (siehe Bestätigungs-Layer) — ein Tool, das ES/NQ (und 6E) gegenüber dem FDAX voraushaben.
FDAX in der London-Session
Die London-/EU-Session ist die FDAX-RTH (Äquivalent zur US-RTH von ES/NQ): höchste Beteiligung, ehrliche zweiseitige Auktion, beste Preisfindung, sauberste AMT-Struktur.
AMT
- Open-Auktion 09:00 Frankfurt (oft Gap ggü. Vorabschluss → Verarbeitung US-Close + Asien), darauf belastbare Initial Balance (1. Stunde).
- Open-Type-Logik (Open-Drive vs. Open-Auction-in-Range) greift sauber; Rotationen real handelbar; Ränder werden verteidigt.
- Zwei Vola-Injektionen + Close-Auktion (Session-Skelett):
- 09:00 Frankfurt — EU-Open
- 15:30 Frankfurt — „zweiter Open” durch US-Cash-Eröffnung; bricht/erweitert häufig die EU-Range
- 17:30 Frankfurt — Schluss-Auktion (eigenes strukturelles Ereignis)
Orderflow
- Schneller/impulsiver als ES; respektiert Level, kann sie aber überschießen.
- Buch dünner als ES (kleinerer, schnellerer Markt, größerer Punktwert) → Absorption-/Exhaustion-Reads sehr handelbar, weniger Puffer.
- Delta/CVD während EU-RTH deutlich verlässlicheres Conviction-Signal als ES/NQ über Nacht (echtes Volumen dahinter).
Einschränkung Tool-Set: Keine Gamma-Level verfügbar (MenthorQ liefert FDAX nicht) → als einziges Instrument der Gruppe ohne Gamma; hier tragen Profil/VWAP/OHLC den Bestätigungs-Layer allein.
6E in der London-Session
6E (EUR/USD-Future) ist in diesen Stunden nicht im Sekundär-Regime wie ES/NQ, sondern in seinem Prime-Fenster: EUR/USD-Liquidität ist London-zentriert und peakt im London–NY-Overlap (15:30–17:30 Frankfurt / 09:30–11:30 ET). Qualitativ steht 6E damit auf der FDAX-Seite (echte Auktion, echtes Volumen), nicht auf der ES/NQ-Seite.
AMT
- Belastbare Auktion über die London-Session, höchste Beteiligung im Overlap — IB und Range-Extension sind aussagekräftig.
- Teilt EU-Katalysatoren mit dem FDAX (Ifo, PMIs, ECB-Speak), ist aber als Währung ein eigener Markt: getrieben v. a. von Zinsdifferenzen und Fed/ECB-Erwartung. Korrelation zum FDAX instabil (kein fixer Vorzeichen-Zusammenhang) → nicht mechanisch gegenlesen.
- Cleanste Direktional-/IB-Extension-Moves häufig im Overlap.
Orderflow
- London/Overlap-Volumen macht Delta/CVD und Bookmap-Reads belastbar (echtes Volumen dahinter), vergleichbar mit FDAX-RTH-Qualität.
- Als CME-Future bleibt 6E auch in die US-Hours hinein liquide; der Aktivitäts-Schwerpunkt liegt aber London/Overlap.
Tool-Set: Gamma-Level (MenthorQ) verfügbar. Weil 6E in der London-/Overlap-Phase in seinem Prime-Fenster ist, haben die Gamma-Level hier echte Haltekraft (Dealer-Hedging-Flow vorhanden), nicht nur Referenzcharakter — der vollständige Bestätigungs-Stack (AMT/Profil + VWAP + OHLC + Gamma) ist also für 6E in dieser Session voll verfügbar.
Bestätigungs-Layer (VWAP · OHLC · Gamma) — nur Session-Bezug
Volle Methodik dieser Werkzeuge gehört in die Setup-Dokumente. Hier nur, wie Session-Qualität ihre Verlässlichkeit beeinflusst.
- VWAP (Daily/Weekly/Monthly/Session): volumengewichtet → Aussagekraft skaliert mit echtem Volumen. In dünner ES/NQ-Overnight ist der Session-/Overnight-VWAP eine schwächere Referenz; in FDAX-RTH und 6E-London/Overlap belastbar. Regel: VWAP-Verlässlichkeit folgt der Session-Qualität.
- OHLC (pdH/pdL/pClose/dOpen + Overnight-H/L): immer gültige Referenzen (reine Preise) — aber die Reaktionsqualität an ihnen ist session-abhängig: pdH/pdL werden in RTH zuverlässiger verteidigt als über Nacht. Also zeichnen ja, über Nacht aber nicht blind darauf vertrauen.
- Gamma-Level (MenthorQ): verfügbar für ES/NQ und 6E (FDAX als einziges der Gruppe nicht). Optionsabgeleitet → bleiben auch in schwachen Sessions gültige Referenz-Magnete/-Wände. Haltekraft als Wall hängt aber vom Dealer-Hedging-Flow ab und folgt damit der Session-Qualität: stark für ES/NQ in US-RTH und für 6E in London/Overlap; schwächer für ES/NQ über Nacht (dort eher Referenz als sicherer Fade-Punkt).
Direkter Vergleich (London-Session)
| Dimension | ES/NQ | FDAX | 6E |
|---|---|---|---|
| Regime in dieser Session | Overnight/sekundär | Heimat-RTH/primär | Prime-FX-Fenster (peakt im Overlap) |
| Preisfindung | Platzhalter, am US-Open neu definiert | Echte zweiseitige Auktion | Echte Auktion (London-zentriert) |
| AMT-Verlässlichkeit | Niedrig (schwache Responsive Activity) | Hoch (Ränder verteidigt) | Hoch (v. a. im Overlap) |
| Orderflow-Conviction | Gering (dünnes Volumen) | Gut (echtes Volumen) | Gut (London/Overlap-Volumen) |
| VWAP-Verlässlichkeit | Niedrig (dünn) | Hoch | Hoch |
| Gamma-Level (MenthorQ) | ✓ verfügbar | ✗ nicht verfügbar | ✓ verfügbar |
| Beste Eignung | Kontext + Katalysatoren | Ausführung | Ausführung (Trend/Overlap) |
Praktische Konsequenzen
- Korrelation als Hebel: ES/NQ-Globex stark von EU-Risk-Sentiment getrieben → enge Korrelation mit FDAX. Gegenseitig als Kontext nutzen (z. B. FDAX-Absorption bestätigt ES-Overnight-Read), aber Ausführung dort, wo die Auktion ehrlich ist = FDAX/6E. 6E–FDAX dagegen nicht mechanisch gegenlesen (instabile Korrelation).
- Qualitätsfenster = Überlappung: Beste Phase der London-Session für alle ist der Lauf in 15:30 Frankfurt / 09:30 ET hinein — strukturell bereits US-Session-Übergang; hier „löst sich” der ES/NQ-Overnight-Kontext auf, die echte Auktion startet, und 6E erreicht sein Liquiditäts-Peak.
- Instrument zur Tageszeit: EU-Vormittag → FDAX (6E aktiv); Overlap → 6E-Prime + US-Übergang; US-RTH → ES/NQ; BTC als 24/7-Lückenfüller.
- Tool-Set-Konsequenz: ES/NQ und 6E tragen den vollen Bestätigungs-Stack inkl. Gamma; FDAX muss ohne Gamma auskommen → dort Profil/VWAP/OHLC + Orderflow umso bewusster gewichten.
Offene Punkte / später vertiefen
- ✓ umgesetzt in FDAX_Open-Type-Playbook (09:00-Open, Typ-Playbooks Drive vs. Range).
- Verhalten der EU-Range am 15:30-US-Open (Break vs. Fade) als eigenes Setup. (→ kanonisch: FDAX_Session-und-Risiko-Delta §5 + 6E_Session-und-Risiko-Delta §5; Journal §10.L)
- Overnight-Kontext-Checkliste für den ES/NQ-US-Open (Value-Lage, Overnight-H/L als Referenz).
- 6E–FDAX-Korrelationsverhalten in der EU-Session empirisch einordnen (wann gleich-, wann gegenläufig).
- VWAP-Anker-Konventionen je Instrument festklopfen (Session-Start für 6E/FDAX vs. ES/NQ-Overnight). (→ kanonisch: Werkzeug_VWAP §11 + je
<ASSET>_Session-und-Risiko-Delta.md„Session-Rhythmus“; Journal §10.J)