ES Open-Type Playbook — 09:30 ET US-Cash-Open
Themenbereich: Open-Type-Klassifikation & Ausführung (ES-spezifisch) Methodik-Kontext: AMT + Volumen-/Marktprofil + Orderflow (Bookmap/Heatmap, Delta/CVD, DOM, Tape — kein Footprint); Bestätigungs-Layer: VWAP (Daily/Weekly/Monthly/Session), OHLC, Gamma-Level (MenthorQ — im ES verfügbar und in der RTH mit echter Haltekraft); RTH-Booster: Markt-Internals ($TICK, Breadth, VIX) + NQ-Korrelation Instrument: ES (Futures), Heimat-RTH 09:30–16:00 ET (15:30–22:00 FFM) Verwandte KB-Dateien: Methodik_AMT-als-Filter (übergeordneter Layer), AMT_Grundlagen-und-Schnellreferenz (Theorie/Vokabular), Sessions_London_ES-NQ-vs-FDAX (Vehikelwahl — löst deren offenen Punkt „Overnight-Kontext-Checkliste für den ES/NQ-US-Open” sowie „VWAP-Anker-Konventionen je Instrument” ein), FDAX_Open-Type-Playbook (Schwester-Playbook, anderer Markt) Geltung: Nur 09:30-ET-US-Cash-Open. Der ES-Globex-/EU-Vormittag ist Sekundär-Regime (→ dort FDAX/6E, vgl. Sessions-Datei). Status: FERTIG
Kernaussage
Der 09:30-ET-Open ist im ES keine erste Preisfindung aus dem Nichts (das unterscheidet ihn vom FDAX-09:00-Open), sondern die Auflösung einer langen Globex-/Overnight-Platzhalter-Auktion durch die RTH-Teilnehmer. Die ganze Nacht — inklusive der kompletten London-Session — war Sekundär-Regime mit wenig belastbarem Value (vgl. Sessions_London_ES-NQ-vs-FDAX). Um 09:30 ET tritt die primäre Preisfindung der US-Indizes an und stellt eine einzige Frage: Akzeptiert RTH die Overnight-Positionierung — oder verwirft sie sie? Der Open-Type ist die Frühklassifikation dieser Antwort (Initiative vs. Responsive) und damit der Rahmen, der entscheidet, ob der Tag mitgegangen (Trend) oder gefadet (Balance) wird.
Vier Typen decken den Raum vollständig ab: Open-Drive (OD), Open-Test-Drive (OTD), Open-Rejection-Reverse (ORR), Open-Auction (OA). Alles andere sind Übergänge zwischen ihnen — und genau die sind im Orderflow + Internals früh lesbar.
ES-Prägung durchgängig (das, was den ES-Open formt):
- Tiefstes, glattestes Buch der Gruppe → geringer Overshoot. Ränder und Excess sind die saubersten aller gehandelten Instrumente, Value Areas die verlässlichsten. Stops dürfen enger am Level sitzen als im FDAX (das Buch „atmet” weniger). Die ES-Gefahr ist nicht das Überschießen am Rand, sondern Chop/Grind in der Balance und das Absorbiert-Werden eines zu früh gefassten Drives.
- Voller Bestätigungs-Stack inkl. Gamma. MenthorQ liefert ES-Gamma, und dessen Haltekraft folgt der Session-Qualität — in der US-RTH also am stärksten (Dealer-Hedging-Flow präsent). Das ist der strukturelle Vorteil ggü. dem FDAX, der ohne Gamma auskommen muss.
- RTH-eigene Conviction-Quellen: Markt-Internals ($TICK, Breadth, VIX) und die NQ-Korrelation sind genau am RTH-Open am aussagekräftigsten und liefern einen Conviction-Layer, den die Overnight-Session nicht hat.
Heuristik: Erst klassifizieren (Open-Type), dann ausführen. Nie ausführen, bevor Typ + Orderflow-Signatur (+ Internals-Bestätigung) bestätigt sind.
Einordnung (vgl. Methodik_AMT-als-Filter): Der Open-Type ist die Ebene-1-Filterung (welche Seite, welche Level); das Gamma-Regime ist ein zweiter Ebene-1-Bias-Input (welche Typen sind heute wahrscheinlich); die Pre-Open-/Gamma-/OHLC-Level sind Ebene 2 (wo); Orderflow + Internals sind Ebene 3 (Timing/Conviction). Kein Trade ohne alle drei.
Anker-Konvention für den ES-Open (projektweit festklopfen)
Der ES hat — anders als der FDAX — eine echte, qualitativ getrennte Doppel-Session (Globex-Overnight = Platzhalter, RTH = ehrlich). Das erzwingt eine bewusste Anker-Entscheidung; ein einziger VWAP trägt beide Phasen nicht sauber. Empfohlene Konvention:
| Anker | Verwendung | Begründung |
|---|---|---|
| Globex-Daily-VWAP (ab 18:00 ET Globex-Open) | Pre-Open-Read der Overnight-Phase: wo sitzt die Overnight-Auktion relativ zum Vortags-RTH-Value? | Bereits entwickeltes Mittel um 09:30 — aber „kontaminiert” durch die dünne Platzhalter-Auktion → nur Kontext, nicht Ausführungs-Magnet. |
| RTH-Session-VWAP (Anker exakt 09:30 ET) | Ausführung: OD/OTD-Pullback-Ziel, OA-Fade-Referenz, Bias-Seite ab ~10:00 ET | Sauberes RTH-Mittel ohne Overnight-Kontamination. Kaltstart: in den ersten ~30 Min noch wenig aussagekräftig, gewinnt mit Volumen Validität (sinnvoll ab Ende der ersten 30-Min-Periode). |
| Daily/Weekly/Monthly-VWAP (Standard) | Bias-Filter (Ebene-1-Stütze) + größere Magnete/Ziele | Wie KB-Standard; Verlässlichkeit folgt Session-Qualität → in RTH belastbar. |
Unterschied zum FDAX bewusst halten: Im FDAX ist Profil und VWAP an den Eurex-Overnight-Start geankert, weil der Overnight dort Teil des laufenden Tagesprofils ist und um 09:00 schon ein valides Mittel liefert. Im ES ist die Overnight-Phase qualitativ minderwertig — deshalb hier die Trennung: Globex-VWAP nur als Pre-Open-Kontext, RTH-VWAP (Kaltstart 09:30) als Ausführungs-Anker. Profil entsprechend: RTH-Profil ist die ehrliche Preisfindung, Overnight-Profil ist Referenz, nicht Value.
(Anpassbar — wenn du in ATAS/TV bereits eine abweichende Konvention fährst, hier überschreiben. Dies ist die Auflösung des offenen Punkts „VWAP-Anker-Konventionen je Instrument” aus der Sessions-Datei.)
Pre-Open-Kontext-Block (vor 09:30 ET lesen)
Der ES-Open-Type ist die Auflösung einer Vorab-Erwartung, die hier reicher ist als im FDAX, weil eine ganze Overnight-Session aufzulösen ist. Diese Inputs vor 09:30 festklopfen — in dieser Reihenfolge.
1) Overnight-Auflösung (das ES-Rückgrat)
| Input | Was lesen | Warum |
|---|---|---|
| Overnight-Range & ONH/ONL | Globex-Range, Overnight-Hoch/-Tief als Referenzpunkte | Die Level, die ein OTD „testet” und ein ORR „ablehnt”; ONH/ONL über Nacht ohne Bestätigung leicht durchstoßen → am Open neu bewertet |
| Overnight-VPOC / -Value-Lage | Wo hat sich die Overnight-Auktion verdichtet — und wandert dieser Value in Gap-Richtung oder bleibt er am Vortags-RTH-Value? | Bester Acceptance-/Fade-Tell: Overnight-Value wandert weg vom Vortag = Acceptance-Lean (→ OD/OTD); bleibt am / kehrt zum Vortags-Value trotz Spike = Fade-Lean (→ ORR) |
| Globex-VWAP-Lage | Open relativ zum Globex-VWAP | Grobe Bias-Stütze (nur Kontext, s. Anker-Konvention) |
2) Gap-Logik (relativ zum Vortags-RTH-Close 16:00 ET)
| Input | Was lesen | Warum |
|---|---|---|
| Gap-Größe & -Richtung | 09:30-Open ggü. gestrigem RTH-Settlement | Definiert die erste Frage: Acceptance (Gap-and-go → OD/OTD) oder Fade (Gap-Fill → ORR)? |
| Gap vs. Vortags-Value | Open innerhalb / oberhalb / unterhalb Vortags-VA (POC, VAH, VAL) | Open außerhalb VA → Initiative-Setups erwartbar; Open innerhalb VA → Balance/OA wahrscheinlicher (Dalton-Gap-Regeln) |
| Gap vs. Vortags-Range | Open innerhalb vs. außerhalb der gestrigen RTH-Range | Open außerhalb Range = stärkste Initiative-/Trend-Erwartung oder Gap-Fill-Fade |
3) Gamma-Regime (MenthorQ — ES-exklusiver Layer, am Open lesen)
| Input | Was lesen | Warum |
|---|---|---|
| GEX-Regime | Positiv (Dealer long Gamma) vs. negativ (Dealer short Gamma) | Positiv → Vol-Suppression → Mean-Reversion/Pin → OA-Bias, Walls halten stark. Negativ → Vol-Verstärkung → Trend/OD-Bias, Walls brechen leichter. Bias-Input für Ebene 1 |
| Gamma-Flip-Level | Liegt der Open darüber oder darunter? | Der Pivot zwischen den Regimen; Acceptance jenseits davon = Regimewechsel = Übergangssignal |
| Call-Wall / Put-Wall / HVL | Nächste Wände ober-/unterhalb + größter Strike (Pin-Magnet) | Ebene-2-Konfluenzpunkte: hochwertige OTD-Test-/ORR-Reject-Level und OA-Edges; Pin-Magnet zieht in OA |
4) Vortags-RTH-Struktur & US-Kontext
| Input | Was lesen | Warum |
|---|---|---|
| Vortags-RTH-Tagestyp & Poor H/L | War gestern Trend/Balance? Poor High/Low (unfinished business)? Naked POC? | Poor H/L und Naked POC sind Magnete/Ziele und häufige Overnight-Testpunkte am Open |
| US-Kalender | 08:30 ET (NFP, CPI, PPI, Retail Sales, Jobless Claims — vor Open → prägt Gap/eingepreist) vs. 10:00 ET (ISM, Consumer Confidence, JOLTS — nach Open → injiziert Vola in die IB, kann Typ kippen); FOMC 14:00 ET (Vormittag oft Kompression/Pre-FOMC-Drift) | Daten vor Open prägen den Gap; Daten kurz nach Open können einen sauberen Typ in Sekunden kippen |
| NQ + Internals (Pre-Market-Lean) | Läuft NQ synchron oder divergent? VIX-Niveau/-Richtung; Pre-Market-Breadth-Tendenz | Synchron NQ + ruhiger/fallender VIX = höhere Conviction für den Read; NQ-Divergenz oder VIX-Spike = Vorsicht, einer lügt noch |
Pre-Open-Frage in einem Satz: „Akzeptiert oder verwirft RTH die Overnight-Positionierung — liegt der Open relativ zum Vortags-RTH-Value im Initiative- oder Responsive-Territorium, und sagt das Gamma-Regime eher Pin (OA) oder Expansion (OD/Trend)?” — Die Antwort grenzt schon vor 09:30 zwei bis drei Typen aus.
Die vier Open-Types (ES-angepasst)
Jeder Typ in derselben Sub-Struktur: AMT-Logik · ES-Spezifika · Orderflow-Signatur · Trade-Logik · Invalidierung/Übergang.
1) Open-Drive (OD)
AMT-Logik. Eine Seite hat ab Sekunde eins die volle Kontrolle. Der Markt eröffnet und treibt einseitig, ohne zum Open-Preis zurückzukehren. Höchste Conviction aller Typen: Initiative/OTF dominiert, die Gegenseite etabliert nie responsive Aktivität. Der Open ist faktisch das Tagesextrem der einen Seite. Mündet typischerweise in einen Trend Day oder Double-Distribution-Trend-Day (vgl. AMT_Grundlagen-und-Schnellreferenz, Teil C).
ES-Spezifika. Im ES seltener in Reinform als im FDAX — das tiefe Buch macht Drives weniger „violent”, eher grindig-getragen als explosiv. Wenn der OD aber sauber ist, ist er wegen der ehrlichen Tiefe hochverlässlich. Klassisch auf negativen Gamma-Tagen (Dealer-Hedging verstärkt die Bewegung → Walls brechen) und/oder nach einer 08:30-Daten-Überraschung, deren Gap akzeptiert wird. Geringer Overshoot: Pullbacks sind flach, aber sauberer als im FDAX → der erste Rücklauf an RTH-VWAP / Gamma-Flip ist ein echter Einstieg, kein Fang ins fallende Messer. Stop kann enger sitzen (Buch atmet weniger).
Orderflow-Signatur.
- Bookmap/Heatmap: Liquidität zieht sich vor dem Preis auf der Drive-Seite; gegenüberliegende Resting-Walls (inkl. Gamma-Wall) werden absorbiert und durchlaufen, keine Nachfüllung in Drive-Richtung. Stützende Seite refresht (Iceberg). Im tiefen ES-Buch ist das Pullen weniger spoofy als in dünnen Büchern → das Signal ist ehrlicher.
- Delta/CVD: Starkes, persistentes gleichgerichtetes Delta ab Open; CVD trendet hart mit dem Preis, keine Divergenz. Delta-Expansion auf jedem Push.
- DOM: Drive-Seite pullt/thinnt; Gegenseite stackt/refresht; Pace schnell.
- Tape: Aggressives kontinuierliches Lifting der Offers (bzw. Hitting der Bids), große Prints in Trendrichtung, kaum Gegenprints.
- Internals (ES-Booster): $TICK anhaltend einseitig (z. B. wiederholt +800/+1000 im Up-Drive, Spiegelbild abwärts), Breadth einseitig, NQ synchron, VIX bestätigt (fällt im Up-Drive). Anhaltend einseitiger $TICK ist einer der besten OD-Tells am RTH-Open.
Trade-Logik. Mitgehen, nicht faden. Edge = „join the initiative”. Einstieg auf den ersten flachen Pullback (RTH-Session-VWAP, Opening-Range-Rücklauf, Micro-Flag, Gamma-Flip als Pullback-Support). Wer den Open verpasst, jagt nicht hinterher, sondern wartet die erste Konsolidierung ab.
Invalidierung / Übergang. Stallt der Drive und CVD divergiert (Preis Higher High, Delta Lower High) oder $TICK divergiert (kein neues TICK-Extrem) → Transition-Risiko. Snappt der Preis zurück durch den Open → OD gescheitert, kippt häufig in einen ORR der Gegenseite (stärkstes Reversal — Initiative-Seite gefangen). In positivem Gamma ist ein sauberer OD unwahrscheinlicher → bei OD-Verdacht auf Pin-/Reversion-Druck achten.
2) Open-Test-Drive (OTD)
AMT-Logik. Der Markt eröffnet, testet eine bekannte Referenz (ONH/ONL, Vortags-VAH/VAL, Vorabschluss/Gap-Edge, Gamma-Wall), prüft auf Aktivität, findet keine Folgeaktivität (Ablehnung am Test) und treibt dann in die Gegenrichtung mit Conviction. Unterschied zum OD: der initiale Test in die „falsche” Richtung geht voraus. Der Test ist eine Probe, kein Commitment.
ES-Spezifika. Der Test geht im ES oft auf ONH/ONL (Overnight-Extreme werden zum Open auf RTH-Validität geprüft) oder auf eine Gamma-Wall — und genau die Gamma-Wall als Test-Level ist ein hochwertiger ES-Tell: in positivem Gamma drückt der Dealer-Hedging-Flow den Test zurück, die Wall hält sichtbar. Wegen des geringen Overshoots ist der Test im ES ein kontrollierter Poke (kein wilder Spike wie im FDAX) — die Absorption ist im tiefen Buch klar lesbar, was den OTD-Read sauber macht. Getrappte Breakout-Trader liefern den Treibstoff für den Gegen-Drive.
Orderflow-Signatur.
- Bookmap/Heatmap: Am Test-Level hält große Resting-Liquidity (Absorption; oft auf der Gamma-Wall); Preis kommt nicht durch; Test-Seiten-Liquidität wird nicht konsumiert, sondern verteidigt/refresht. Nach der Wende pullt Liquidität auf der neuen Drive-Seite.
- Delta/CVD: Am Test drückt Delta ins Level, aber Preis folgt nicht (Absorption-Divergenz: hohes Delta, kein Preisfortschritt). Nach der Ablehnung flippt CVD und trendet mit der neuen Drive-Richtung.
- DOM: Am Test-Level stackt/refresht die Gegenseite (hält); Aggression wird absorbiert. Post-Turn: Pace verlagert sich in Drive-Richtung.
- Tape: Aggressive Prints ins Level, die „sterben” (kein Preis-Follow), dann ein Flip — Aggression wechselt die Seite, Prints beschleunigen in Drive-Richtung.
- Internals (ES-Booster): Am Test oft $TICK-Extrem ohne Preis-Follow (Aggression läuft leer); nach der Wende $TICK-Flip mit der Drive-Richtung; NQ bestätigt die Wende.
Trade-Logik. Test + Rejection abwarten, Einstieg auf der Wende in Drive-Richtung. Trigger = Absorption am Test-Level (Bookmap, ideal auf Gamma-Wall) + CVD-Flip (+ $TICK-Flip als Bestätigung). Edge = getrappte Breakout-Trader. Stop knapp hinter das Test-Extrem (im ES eng möglich — wenig Overshoot).
Invalidierung / Übergang. Bricht das Test-Level sauber (keine Absorption, Liquidität pullt, CVD + $TICK trenden durch) → es ist kein OTD, sondern ein OD/Continuation in Test-Richtung. Das „kein Follow-through” ist die ganze Prämisse — Follow-through killt den Typ. Bricht eine Gamma-Wall im negativen Gamma sauber → eher Continuation als OTD erwarten.
3) Open-Rejection-Reverse (ORR)
AMT-Logik. Der Markt eröffnet, macht einen echten Direktionalversuch (Initiative), wird von responsiver Aktivität abgelehnt, reversed und handelt zurück durch den Open-Preis und darüber hinaus. Unterschied zum OTD: der initiale Move ist ein ernsthafter Versuch (nicht nur eine Probe), und das Reversal trägt durch den Open. Zweiseitiger und kräftiger als OTD.
ES-Spezifika. Häufig wenn der Gap gefadet wird (Gap-Fill): Open außerhalb Vortags-VA, initialer Push scheitert, responsive Seite dreht zurück durch den Open in den Gap hinein. Die Gamma-Wall als Reject-Level ist hier besonders hochwertig: in positivem Gamma drückt der Dealer-Hedging-Flow den initialen Push an der Wall zurück — eine der saubersten ES-Reversal-Signaturen. Geringer Overshoot: der initiale Push überschießt weniger als im FDAX → der Fade ist früher und billiger möglich, und der Trap ist flacher (man steht weniger lang im Verlust, bevor das Reversal trägt). Ziel ist oft der Gap-Fill / Vortags-Value / Naked POC.
Orderflow-Signatur.
- Bookmap/Heatmap: Am Extrem des initialen Moves wird Liquidität absorbiert (große Resting-Wall / Gamma-Wall hält), dann aggressive Liquidität auf der Reverse-Seite; das initiale Hoch/Tief wird zur Heatmap-„Shelf”, die der Preis danach respektiert.
- Delta/CVD: Klassische Divergenz am Extrem — Preis macht das Hoch/Tief, Delta bestätigt nicht (oder Absorption: riesiges Delta, kein neues Preishoch). Dann reversed CVD und führt den Preis zurück durch den Open. Delta-Exhaustion an der Wende.
- DOM: Am Extrem hält/refresht die Gegen-Wall gegen Aggression (Absorption), Aggression trocknet aus, dann Flip. Pace zieht auf dem Reverse an.
- Tape: Klimaktische aggressive Prints am Extrem, die den Preis nicht bewegen (absorbiert), dann ein Flush in die Gegenrichtung.
- Internals (ES-Booster): $TICK-Extrem + Divergenz am initialen Hoch/Tief (z. B. Preis neues Hoch, $TICK niedriger als beim vorigen Push) ist ein erstklassiger ORR-Frühwarner; nach der Wende kippt $TICK durch Null mit dem Reverse. VIX-Tick nach oben am Hoch stützt einen Short-Reverse.
Trade-Logik. Das Reversal durch den Open ist der Trade. Einstieg auf Bestätigung der Wende (CVD-Flip + Bookmap-Absorption am Extrem + Tape-Flush, ideal an einer Gamma-Wall, + $TICK-Divergenz/Flip). Ziele: Gegenseite des Open, Vortags-Value, Gap-Fill, Naked POC. Der Open-Preis ist der Pivot: Acceptance jenseits des Open = ORR bestätigt.
Invalidierung / Übergang. Reclaimed der Preis das abgelehnte Extrem nach dem Reverse → Reversal gescheitert (zurück zu OD/Continuation). Hält der Open als Pivot nicht → eher OTD-Charakter oder simple Range. Acceptance zurück über den Open = Bestätigung; Ablehnung des Reverse = Failed ORR.
4) Open-Auction (OA)
AMT-Logik. Zweiseitig, rotierend, balanciert. Keine Seite hat Kontrolle. Der Markt rotiert um den Open / innerhalb einer Range. Zwei Unterformen:
- OA in-range (Open innerhalb Vortags-VA): Rotation um den Vortags-Value, responsive Trade an beiden Rändern, Mean-Reversion an den Edges. Niedrigere Conviction, mündet meist in Normal/Neutral Day.
- OA out-of-range (Open außerhalb Vortags-VA, aber ohne Drive): Der Markt „entscheidet”. Auflösung in Acceptance (neuer Value, später Drive) oder Rejection (zurück zum Vortags-Value). Höhere Unsicherheit — auf Auflösung (oft die IB-Auflösung) warten.
ES-Spezifika. Der häufigste ES-Open-Typ, besonders auf positiven Gamma-Tagen (Vol-Suppression → Pin/Mean-Reversion) und wenn der Open innerhalb der Vortags-VA liegt. Ein Gamma-Pin (Preis klebt an einem großen Strike / HVL) ist ein starkes OA-Signal — der Strike wird zum Rotations-Zentrum. Vorteil tiefes Buch: Ränder halten verlässlicher als im FDAX und Excess ist sauber → Edge-Fades sind hochwertig. Die ES-Falle ist nicht Overshoot, sondern Chop/Grind: eine zähe, enge Rotation, in der zu viele Fades stumpf werden; Disziplin = nur die qualifizierten Edges (mit Absorption + Divergenz) nehmen. Die RTH-IB (09:30–10:30 ET, A-/B-Periode) ist belastbar und definiert die Tages-Rotationsrange.
Orderflow-Signatur.
- Bookmap/Heatmap: Liquidität auf beiden Seiten präsent und refreshend; Resting-Walls an den Range-Rändern (oft Call-Wall oben / Put-Wall unten) halten und werden respektiert; kein anhaltendes Pullen. Balancierte Heatmap. Absorption an den Edges = Rotationssignal.
- Delta/CVD: Oszillierendes Delta, kein anhaltender Trend; CVD ranged/choppt, Divergenzen an beiden Edges (Delta-Exhaustion an Hoch und Tief).
- DOM: Beide Seiten stacken/refreshen; Pace moderat; kein persistentes einseitiges Thinning.
- Tape: Zweiseitige Prints, Aggression alterniert, keine anhaltende Einweg-Pressure; Edge-Prints werden absorbiert.
- Internals (ES-Booster): $TICK oszilliert um Null (kein anhaltendes Extrem), Breadth gemischt, VIX ruhig/seitwärts. Das ist die Internals-Signatur eines Balance-Tages und bestätigt OA gegen einen verdeckten Drive.
Trade-Logik. Ränder faden (responsive), Ziel Gegenrand / RTH-VWAP / POC / Pin-Strike. Edge = verteidigte Grenzen + Gamma-Pin. In out-of-range: nicht sofort faden — auf Acceptance-vs-Rejection des neuen Areas warten; oft ist die IB-Auflösung der eigentliche Trade. Fade nur mit Absorption + Internals-Bestätigung, nicht blind am Level (ES überschießt zwar wenig, aber ein Edge-Break ohne Absorption ist ein Drive im Keim).
Invalidierung / Übergang. Sauberer Break + Acceptance jenseits eines Edges (Liquidität pullt, CVD trendet, $TICK greift einseitig durch, Pace expandiert) = Transition aus dem OA in einen Drive/Trend. Ein Bruch des Gamma-Flip-Levels mit Acceptance signalisiert Regimewechsel (Pin-Annahme fällt). OA out-of-range → OD ist der häufigste produktive Übergang.
Gamma-Layer am ES-Open (ES-exklusiv)
Der ES hat den Layer, der dem FDAX fehlt — und am RTH-Open ist er am stärksten. Einordnung zuerst: Gamma bleibt Bestätigung/Konfluenz (Ebene 2) + Regime-Bias (Ebene-1-Stütze), nie Trigger (vgl. AMT_Grundlagen-und-Schnellreferenz, B5).
Regime als Typ-Bias (Ebene-1-Input):
- Positives GEX (Dealer long Gamma): Dealer hedgen gegen die Bewegung → Vol gedämpft → Mean-Reversion/Pin → OA-Bias, Walls halten stark, ORR-Fades an Walls hochwertig, OD unwahrscheinlicher.
- Negatives GEX (Dealer short Gamma): Dealer hedgen mit der Bewegung → Vol verstärkt → Trend/Expansion → OD-/Trend-Bias, Walls brechen leichter, Breakouts tragen.
Level als Konfluenz (Ebene-2-Punkte):
- Call-Wall = oberer Widerstand/Magnet (in pos. Gamma harte Wand) → OTD-Test-/ORR-Reject-Level oben, OA-Oberkante.
- Put-Wall = unterer Support/Magnet → Test-/Reject-Level unten, OA-Unterkante.
- HVL / größter Strike = Pin-Magnet → OA-Rotationszentrum, Tagesziel.
- Gamma-Flip-Level = der Pivot zwischen den Regimen. Open darüber/darunter setzt den Regime-Bias; Acceptance jenseits davon = Regimewechsel = primäres Übergangssignal (Pin→Trend oder umgekehrt).
Haltekraft-Regel: Gamma-Walls halten im ES am Open am stärksten, weil RTH = volle Session-Qualität (Dealer-Hedging-Flow präsent). Das ist genau der strukturelle Vorteil ggü. dem gamma-losen FDAX — am ES-Open trägt eine Wall als Fade-Punkt, im FDAX müsste die identische Stelle allein über Profil/VWAP/OHLC + Orderflow validiert werden.
Internals & NQ am ES-Open (RTH-Booster, Ebene-3-Stütze)
Diese Quellen sind am RTH-Open am aussagekräftigsten (existieren über Nacht praktisch nicht). Einordnung: Conviction-Booster auf dem Orderflow-Trigger (Ebene 3) — sie ersetzen den Trigger am Level nicht, aber sie stacken darauf und erhöhen/senken die Qualität.
| Quelle | OD/Trend-Lesart | OA/Balance-Lesart | Reversal-/Warn-Lesart |
|---|---|---|---|
| $TICK | anhaltend einseitig (±800/±1000), wiederholte Extreme in Trendrichtung | oszilliert um Null, kein anhaltendes Extrem | Divergenz: neues Preisextrem ohne neues $TICK-Extrem = Exhaustion (ORR-Frühwarner) |
| Breadth ($ADD/$VOLD) | einseitig, expandiert mit dem Move | gemischt/flach | dreht gegen den Preis = nachlassende Beteiligung |
| VIX | fällt im Up-Move / steigt im Down-Move (bestätigt Risk-Richtung) | ruhig/seitwärts | Spike = Vorsicht, Reversal-/Vol-Umfeld |
| NQ-Korrelation | synchron = höhere Conviction | beide ranged | Divergenz (eines macht neues Extrem, das andere nicht) = RS/RW-Read, einer lügt noch |
Lese-Reihenfolge am Level: Orderflow-Trigger zuerst (Delta/CVD → Bookmap → DOM/Tape), dann Internals als Conviction-Check. Internals allein triggern keinen Trade.
Übergänge zwischen den Typen (eigene Lese-Ebene)
Die Typen kippen ineinander; Orderflow + Internals zeigen den Kipp-Punkt früher als der Preis.
| Übergang | Auslöser im Orderflow / in den Internals | Konsequenz |
|---|---|---|
| OD → ORR (Failed Drive) | Drive stallt, CVD-Divergenz + $TICK-Divergenz am Extrem, Snap zurück durch Open | Stärkstes Reversal-Setup; Initiative-Seite gefangen |
| OTD → OD (Test bricht) | Test-Level/Gamma-Wall bricht sauber, Absorption fehlt, CVD + $TICK trenden durch | Kein Fade — Continuation in Test-Richtung handeln |
| ORR ↔ OTD (Abgrenzung) | OTD = Probe ohne Open-Durchbruch; ORR = echter Versuch durch Open | Pivot-Frage: Trägt das Reversal durch den Open-Preis? |
| OA out-of-range → OD | Edge bricht mit Acceptance, Liquidität pullt, $TICK greift einseitig durch, Pace expandiert | Balance-Annahme fällt; auf Drive umschalten |
| OD → OA (Drive erschöpft) | Drive verliert Delta-Expansion, $TICK oszilliert wieder, Liquidität refresht beidseitig | Von „mitgehen” auf „Ränder faden” umstellen |
| Pin → Trend (Regimewechsel) | Gamma-Flip-Level bricht mit Acceptance (häufig OA → OD) | Positiv-Gamma-Pin-Annahme fällt; Vol-Expansion erwarten |
Merksatz: Der Übergang ist zuerst im Delta/CVD + $TICK am ersten Extrem sichtbar (Divergenz vs. Bestätigung), dann in der Bookmap am Liquiditätsverhalten (pullen vs. halten/refreshen) — und erst danach im Preis. Ein Gamma-Flip-Bruch ist das sauberste Regime-Übergangssignal, das der ES (anders als der FDAX) liefert.
Orderflow-Signatur-Matrix (Typ × Tool) — Schnellreferenz
| Bookmap/Heatmap | Delta/CVD | DOM | Tape | Internals (ES) | |
|---|---|---|---|---|---|
| OD | Liquidität pullt vor Preis (Drive-Seite); keine Nachfüllung; einseitig | Persistentes gleichgerichtetes Delta; CVD trendet, keine Divergenz | Drive-Seite thinnt, Gegenseite stackt; Pace schnell | Kontinuierliches Lifting/Hitting; große Prints in Trendrichtung | $TICK anhaltend einseitig; Breadth einseitig; NQ synchron; VIX bestätigt |
| OTD | Resting-/Gamma-Wall am Test hält (Absorption); danach Pull auf Drive-Seite | Delta ins Level, Preis folgt nicht → Flip nach Rejection | Gegenseite refresht am Test; danach Pace-Shift | Prints sterben am Level; dann Flip + Beschleunigung | $TICK-Extrem ohne Follow am Test → $TICK-Flip nach Wende |
| ORR | Absorption am Extrem (oft Gamma-Wall); Reverse-Liquidität; Extrem wird Shelf | Divergenz am Extrem; CVD reversed durch Open | Gegen-Wall hält, Aggression trocknet aus, Flip | Klimaktische Prints absorbiert; dann Flush | $TICK-Divergenz am Extrem; $TICK kippt durch Null; VIX-Tick |
| OA | Beidseitig präsent/refreshend; Edges (Walls) halten; kein Pullen | Oszillierend; Divergenz an beiden Edges; mean-revert | Beide Seiten stacken; Pace moderat | Zweiseitig, Aggression alterniert; Edges absorbiert | $TICK oszilliert um Null; Breadth gemischt; VIX ruhig |
Lese-Reihenfolge im Live-Trade: Delta/CVD (Divergenz vs. Bestätigung am ersten Extrem) → Bookmap (pullen vs. halten/refreshen, Verhalten an der Gamma-Wall) → DOM/Tape (Pace + Aggression) → Internals als Conviction-Check.
Entscheidungsbaum / Quick-Reference
PRE-OPEN (vor 09:30 ET):
Overnight akzeptiert oder verworfen? (ON-Value wandert vs. bleibt am Vortags-Value)
+ Gap innerhalb/außerhalb Vortags-VA?
+ Gamma-Regime: positiv (Pin/OA) oder negativ (Trend/OD)? + Open vs. Gamma-Flip?
+ NQ/Internals/VIX-Lean?
→ grenzt 2–3 Typen aus, bevor der Open läuft.
AM OPEN (09:30 ET):
Treibt es einseitig ohne Rückkehr zum Open?
JA → Bookmap pullt + CVD trendet ohne Divergenz + $TICK anhaltend einseitig?
JA → OPEN-DRIVE → mitgehen, ersten Pullback (RTH-VWAP/Gamma-Flip) nehmen
NEIN (CVD/$TICK divergiert / Liquidität refresht) → Drive-Verdacht, Übergang beobachten (→ ORR/OA)
NEIN → Testet es zuerst eine Referenz (ONH/ONL, PDH/PDL, Gap-Edge, Gamma-Wall)?
Test hält (Absorption, kein Follow-through) → dann Drive Gegenrichtung?
JA → OPEN-TEST-DRIVE → Wende handeln (Absorption + CVD-/$TICK-Flip)
(Test bricht sauber → kein OTD, Continuation = OD in Testrichtung)
Echter Direktionalversuch, dann Rejection + Reverse DURCH Open?
JA → OPEN-REJECTION-REVERSE → Reversal handeln, Open = Pivot
(Reject-Level oft Gamma-Wall; $TICK-Divergenz am Extrem als Frühwarner)
Zweiseitig, rotierend, beide Edges/Walls halten, $TICK oszilliert?
JA → OPEN-AUCTION
in-range → Edges/Pin-Strike faden (responsive, mit Absorption)
out-of-range → auf IB-Auflösung warten (Acceptance vs. Rejection)
Offene Punkte / später vertiefen
- ES-Gap-Statistik: Gap-Fill-Wahrscheinlichkeit nach Gap-Größe/-Richtung und Lage zur Vortags-VA (Acceptance- vs. Fade-Quote) als eigene Referenz. (→ kanonisch: ES_Session-und-Risiko-Delta §5 / dieses Playbook; Journal §10.E)
- Gamma-Pin-Kalibrierung: typische Pin-Distanz zum HVL/größten Strike, ab der OA-Rotation statt Drive zu erwarten ist; Trefferquote des Gamma-Flip-Bruchs als Regime-Signal. (→ kanonisch: Werkzeug_Options-Flow §11 [HVL-Pin] + ES_Session-und-Risiko-Delta §4 [Flip-Bruch]; Journal §10.D)
- $TICK-Schwellen: instrument-/marktphasenspezifische $TICK-Niveaus, ab denen „anhaltend einseitig” (OD) vs. „oszillierend” (OA) sauber trennt; Divergenz-Definition für den ORR-Frühwarner festklopfen. (→ kanonisch: Werkzeug_Delta-CVD §5.6 + ES_Session-und-Risiko-Delta [Internals]; Journal §10.C)
- RTH-IB-Extension-Statistik (ES): wann der IB-Break (09:30–10:30 ET) trägt vs. zurückfällt — Pendant zum FDAX-IB-Auflösungs-Playbook. (→ kanonisch: Methodik_Intraday-Management §3/§12; Journal §10.L)
- Daten-getriebene Opens: wie 10:00-ET-Daten (ISM/JOLTS/Consumer Confidence) den Typ nach Open kippen; erste Reaktion vom nachhaltigen Move trennen.
- FOMC-/CPI-/NFP-Tage: eigenes Open-Verhalten (Pre-Event-Kompression, Post-08:30-Gap-Mechanik) als Sonderfall.
- Overshoot-/Stop-Kalibrierung ES: konkrete (enge) Stop-Richtwerte je Typ angesichts des tiefen Buchs — Gegenstück zur FDAX-Overshoot-Kalibrierung. (→ kanonisch: ES_Session-und-Risiko-Delta §5 „Risiko & Overshoot“; Journal §10.A)
- Operative Checkliste: ✓ umgesetzt in Checkliste_ES-0930-Open (Phasen 0–4, Disziplin-Gate, Handelsrichtung je Typ).